Währenddessen in den meisten Teilen von Mitteleuropa der Winter verschwindet und der Frühling Einzug hält, die Karpfenfischer sich freuen und zu den unzähligen Seen und Teichen pilgern, lasse ich nochmals die Gedanken schweifen und denke an den Frühling 2015 zurück.

2 Tage v. K.M.

Es ist Ende April und unser Steffen hat erneut den ganzen Parco del Brenta für Freunde, Kunden und natürlich uns Teamfischer gebucht. Da die Temperaturen gefährlich nahe zwischen Laichen oder nicht Laichen wanderten, war die Vorfreude bzw. die Anspannung groß. Was ist wenn sie laichen? Wenn nicht, spielt das Wetter mit? Jeder von uns kennt diese Gedanken und grübelt und grübelt obwohl man bei einer fix gebuchten Session an einem Pay Lake so oder so nichts an der Situation ändern kann. „do muas ma die Krot schluckn“

Aber ja, was würden wir sonst machen außer darüber nachzudenken wie es wäre, ist oder sein könnte?! Stimmt, das Auto zusammen packen und nach Italien zum fischen fahren. So fuhren Paolo, Eva, Kurti, Max, Georg, ein weiterer Max, Matthias, Harri, Junior und ich nach Padova um die Wasserschweine an die Kugel zu bekommen. So fuhren wir am Sonntag Vormittag im Convoy nach Italien und sahen zu, wie das Wetter immer unbeständiger wurde und der Regen immer mehr zunahm. Am Nachmittag wurde uns kurz vor dem Ziel die einzige Hürde der Woche in den Weg geleget. In typisch vernünftiger Manier der Italiener wurde ein Unfall verursacht, der zwar keine Verletzung forderte aber die Straße mit Blech und Öl schmückte. Eigentlich ist diese südländische Gemütlichkeit nichts schlimmes, aber mit einem Auto voller Tackle können einen diese Carabinieri schon ordentlich auf den Sack gehen . Aber egal, in wenigen Stunden steht alles und die Ruten sind scharf.

Am Teich angekommen standen bereits die Zelter der restlichen Kollegen an Ort und Stelle und die Gier an den Platz zu stürmen und alles aufzubauen wuchs und wuchs. Doch die Begrüßung auf Platz 22 (Steffen, Heike und Isabell) durfte trotzdem nicht zu kurz kommen.;) Die restlichen Begrüßungen folgten am Montag Abend bei einer weiteren Brenta- Grillerei. Erneut traf der ganze Teich zusammen und futterte was das Zeug hielt. Vielen Dank an dieser Stelle an Flo und Steffen für das äußerst vorzügliche Fleisch und das organisieren. Zurück in die Vergangenheit stand alles an Ort und Stelle und die erste Nacht konnte anbrechen bzw. war sie bereits in vollen Gange. Alles war Stockfinster, außer das Wasser, das leuchtete wie ein Freudenhaus. In jede Ecke fuhr ein Futterboot und ich weiß nicht ob ihr so etwas bereits erleben durftet, aber wenn ein ganzer Teich um Punkt 20:00 Uhr beginnt die Ruten auszufahren ist das auf jeden Fall ein sensationeller Anblick.

Die Nacht verging und die ersten Karpfen wurden gefangen und sorgten für gute Stimmung am Teich. Doch am Montag morgen nahm das Übel seinen Lauf. Steffen forderte unüberlegter weiße Max heraus. Was bedeutete das? Wer unseren Bericht von 2013 bereits gelesen hat, „Ära der Könige“, sollte wissen das auch dieses Jahr eine Krone mitgenommen wurde. Diese sollte einen anderen Kopf als Max seinen schmücken. Die Dauerherrschaft des „Brenta Königs“ oder „König Max den II“ sollte gestürzt werden. Das gelang für eine gewisse Zeit auch. Steffen überlistet einen Hängebauch-Spiegler mit 25+ Kilo. Also wanderte die Krone auf das Haupt des Cornelsen, noch nichts ahnend was am Dienstag geschehen sollte! Die Temperaturen stiegen und die Karpfen bissen in fast allen Teilen des Sees wie verrückt. Eine Situation die man selten bis gar nicht erlebt. Das große Fressen vor dem Geschlechtsakt. Nase, Robert und Max kamen am Montag nicht mal dazu alle Ruten abzulegen da die Karpfen in extremer Fresslaune waren. Auch Georg und ich waren die ersten beiden Tage äußerst tagaktiv bevor am Mittwoch Abend die Nachtschichten begannen.

1 Tag v. K.M.

Die zweite Nacht brach herein und die ganze Linie unseres Ufers wurde förmlich mit Bissen überrannt, ich habe bereits solch extreme Beißphasen nach dem Laichen erlebt, aber das übertraf alles! Nach und nach fielen die Bestmarken und das Blitzlichtgewitter nahm kein Ende. Im Stundentakt wurde von einem Platz zum anderen gesprintet um die Wasserschweine abzulichten und zu begutachten. Alles der Reihe nach verlief es so: Zu aller erst konnte Steffen am Morgen noch ein Hängebauch-Rüsselschwein mit 25 kg auf die Matte legen. Damit schmückte er sich mit der heiligen Krone und forderte, ohne es wirklich zu wollen, Max heraus. Am frühen und bereits stockfinsteren Abend fing Matthias, der noch nie einen 20+ Fisch gefangen hatte, einen Spiegler mit 24 Kilo. Auch bei Junior war das gleiche „Problem “ vorhanden. Vor knapp zwei Jahren am Bergteich die 20 kg um 40 dag nicht erreicht, schraubte er sich auf 26 Kilo. Ich konnte mich nicht erinnern ihn so Happy zu sehen ;).

Währenddessen sich die Plätze 10 bis 14 gegenseitig die Krone vom Kopf stahlen, wurde bei unserem Platz heimlich gewerkelt und gefüttert und ganz nebenbei Georg sein damaliger PB  auf  23,80 kg geschraubt. Zurück zum herausgeforderten Max, der konnte nicht nur einen schwereren Spiegler mit 26,90 kg fangen, sondern hatte dieser auch den dickeren Hängebauch. Alter, die müssen ja beim Fressen mit der Wampe streifen, anders geht das ja nicht. Auch Harri und Kurti konnten Karpfen um die 20er Marke zum Landgang überreden. Natürlich muss  man realistisch bleiben das jener Abend einmal oder nur wenige Male passiert und dies auch nur möglich ist, wenn der Karpfenbestand „stimmt“. Ihr wisst sicher was ich meine ;).

Kaiser Max der I 

Am Dienstag Nachmittag schlenderte ich während einer Beißflaute zu Max, Kurti und den restlichen Mitgereisten. Bei einem gemütlichen Kaffee und einer Zigarette wurde die letzte Nacht nochmals Revue passiert. Wir konnten es immer noch nicht fassen welch Gewichter uns auf die Matten gelegt wurden.Während des quatschens hob sich Max sein Bobbin und blieb kurz an Ort und Stelle stehen. Was war das? Die Augen und der Zug des Fisches wurden stetig größer und größer. Max stand an der Rute und nahm den Kampf auf. Er drillte bereits eine ganze weile vor sich hin und sagte, wie jeder von uns Carphnutern sicherlich schon, dass er sich sicher sei dass es ein größerer ist und das es toll wäre, wenn es diesmal ein wirklicher Brocken wäre. Nach weiteren Minuten des tauziehens standen Paps und ich mit Kamera und Kescher bereit um das Werk zu vollenden. Bei der ersten Sichtung des Rückens und des Volumens des Bartelträgers wurde nicht nur mir schwarz vor Augen. Ein blick zu Max und die Gewissheit, dass die 30 Kilo Marke sicherlich durchbrochen wird, war ein Fluch und ein Segen für ihn. Einerseits die Freude und die Angst, springt er vom Haken oder hält alles?!?!?!?! Es hat gehalten. Beim zweiten Kescherversuch war er im Netz. Beim ersten wirklichen ansehen war uns dreien klar, der hat sicherlich mehr wie 30 Kilo wenn er nicht sogar die 35er Marke durchbricht. Die zwischenzeitliche Frage mit was er den Biss bekommen hatte lockte nur ein Grinsen aus ihm heraus. Da wusste ich, dass es erneut seine Fugo Kombi war, mit der schon viele sehr gute Fische landen konnte.

Das erste wiegen brachte die Gewissheit und das zweite wiegen mit Antonio seinem Bruder und der halben Teich-Belegschaft brachte die Bestätigung. Der zweit schwerste bekannte Karpfen des Parco del Brentas namens „Cobra“ wurde von unserem König und ab diesem Zeitpunkt sicherlich Herrscher auf Lebzeit gefangen. 36 Kilo, 72 Pfund, 79,37 lb oder besser gesagt, jede Menge Karpfen waren sein neuer PB und absoluter Wahnsinn. Allein das ich diesen Fisch sehen konnte und keschern durfte ist schon richtig GEIL!!! Nach einer kurzen aber Kräfte raubender Fotoshooting zu Lande und im Wasser wurde die „Cobra“ in ihr Reich entlassen und der Sprung ins tiefere Nass lies sich Max nicht nehmen. GRATUALTION!!!!

Uns allen ging es wie man es bei Interviews von Sportlern kennt. Alle mussten das erlebte realisieren und konnten es nicht ganz fassen das Max so einen Ausnahme Fisch landen konnte. Tja,  haben halt nicht nur die Bayern einen Kaiser. Bier auf und PROST.

Die Tage n. K.M

Die ersten Stunden bzw. der erste Tag danach waren in vielerlei Hinsicht verstörend. Was kann noch kommen, an welche Gewässer muss man jetzt fahren um den Rekord von Max zu brechen, etwa nach Ungarn?! Sollten wir jetzt das Karpfen fischen an den Nagel hängen und uns auf das Rotaugen angeln spezialisieren?! ODER man scheißt drauf und fängt einfach den schwersten und nicht „nur“ den zweit schwersten Fisch dieses Teiches!! Gleich vorweg, dies gelang uns nicht. 😉

Doch eines gelang meinem alten Herrn, der den liebevollen Spitznamen „Teamdino“ inne hat, doch noch. Konnte er nach knapp 12 Jahren endlich  seinen PB von 21 auf 24,70 Kilo schrauben.

Die weiteren Stunden läuteten allerdings den Wendepunkt dieser Woche ein. Warum? Das Wetter war in den ersten Tagen zu unseren Gunsten recht unbeständig und die Regengarnitur war stehts am Mann. Auch die Temperaturen waren stetig frisch bis kalt sodass Heike, Eva und die kleine Isabell von der Ferne wie Michelline Männchen aussahen. Leider haben wir von diesen drei keine Fotos.

So kam es das Paolo und Eva am Donnerstag, eben wegen der schlechten Wetterlage, die Segel  setzten um in Richtung Heimat aufzubrechen.  Das witzige daran, kaum hatten die Reifen die Grenze des Arials passiert, schob sich die Sonne durch und lies ein freundliches „Grüazi“ verlauten. Von Mutter Natur Zufall oder pure Absicht…… man weiß es nicht.

So wurde es von Tag zu Tag, Stunde um Stunde, Minute zu Minute immer wärmer und sonniger. Genau da war der Hund begraben. Je heißer die Stunden desto mehr Aktivität in unserer flacheren Bucht bzw. weniger Aktivität auf den restlichen Spots der anderen Plätzen.  In den Tagen Donnerstag bis Sonntag lief die Bucht rund um die Plätze 15,16 und 17  voll ab. Es wurden natürlich noch vereinzelt Fische im mittleren Teil gefangen, aber die Beständigkeit blieb aus und das Laichen begann.

Tagschichten und  drei „Ärsche“ im Wasser

Wie bereits bei uns im Jahre 2013 liefen die Karpfen größenteils bei Flo, Alex und Co. unter Tage ab, natürlich gingen auch während der Nacht die Ruten ab, doch schlafen mussten die Jungs auch einmal ;). Also wurde unter Tags vollgas gegeben und ein schöner Carp nach dem anderen an Land gezogen. Mein persönliches Highlight dieser Woche war der Fang der beiden 20+ Carps bzw. Steffens neuer PB auf Platz 17. Als unser CS-Chef nach Jahrzehnten des wartens, was sag ich – Jahrzehnte? Wie alt ist Steffen? Wann wurde die erste Eisenbahn erbaut?!?!…… Auf jeden Fall wartete unser sanfter Erlangener sehr lange und wurde mit einem 26er belohnt. Diese Freude zeigt das Bild zu ihrer rechten!

ps.: wer dabei war, weiß was mit Ärschen gemeint ist. Wer nicht dabei war, muss die Beteiligten mal fragen……hahahahaha.

Nachschichten, Ameisenstraßen und Ratten

Georg und ich legten in jener Zeit zwei Arten von Nachtschichten ein. Schicht 1 begann mit 20 Uhr und endete mit 2 Uhr Morgens. Schicht 2 allerdings startete mit 2 Uhr Morgens und endete mit 8 Uhr Morgens. Wir hatten zwar unter Tage vereinzelt Bisse, konnten aber erst mit Sonnenuntergang das komplette Potenzial dieses Platzes ausschöpfen. Das anfängliche Problem der Beleuchtung wurde zur Wochenmitte von unseren Tim Taylor für Arme (Georg) ganz Fachmännisch gelöst. Es wurden zwei Bank Sticks mit je einer Taschenlampe versehen und das anfängliche Blitz-Problem des wartens auf Aufladung und das zu hell und zu dunkel waren Vergangenheit. Dieses Bild finden sie zu ihrer linken.

Wie bei beinahe jeder Session in Italien wurden wir auch heuer von Tierchen besucht. Haben uns die Mücken dieses mal in Frieden gelassen wurden Max und Kurt regelmäßig von Ratten überfallen und wachgehalten. Dagegen hatten Georg und ich echt Glück, wir hatten nur zwei riesige Ameisennester bei unseren Zeltern. Nicht zu vergessen die unzähligen Ameisenstraßen die uns beinahe die Sesseln vertrugen.

Am Samstag Morgen wurden Georg und ich zur Zwangspause verdonnert. In unserer zweier Schicht fuhren wir so lange unsere Montagen auf die Spots dass uns der Saft der Fernbedienung ausging. Also beschlossen wir ein bisschen Schlaf aufzuholen und uns auf die Liege zu werfen. Nach ein paar Stunden erholsamen Schlafes, brachen wir mit leeren Akku und Energy Drink auf zur Hütte. Dort angelangt waren wir nicht die einzigen die auf Lade-Tratsch vorbei kamen und sich ein Bierchen zur Mittagsstunde gönnten. Nach schönen Stunden an er Hütte, netten Gesprächen mit Freunden die man leider nicht alle Tage treffen kann und wärmender Sonne, ging es wieder zurück zum Füttern.

Beim retour schlendern bemerkten wir das unser Hessi den Platz von Paolo in beschlag genommen hatte und eine Joker Rute platzierte. Diese löste auch in der letzten Nacht aus und bescherte Matthias einen American Catfish der größeren Gattung. 12 kg brachte diese stinkende Wallerart auf, Gott sei dank, seine Matte.

Der letzte Akt dieser Woche bildete die Nacht von Samstag auf Sonntag und der Beweis das das Laichen bereits bei manchen Karpfen vollzogen war. Da unser Ehrgeiz selbst in dieser letzten Nacht ungebrochen war, fischten wir genauso energisch durch als zu Beginn. Schlafen kann man wenn man Tot ist! So kam es, dass der ziemlich letzte Schuppi von Georg (bis dato größter mit 25,90 kg und neuer PB) nicht nur groß war, sondern auch LEER. So konnten wir so ziemlich alle Situation erleben die ein Teich zu bieten hat. Wenn es noch geschneit hätte, wäre diese Woche wohl unter „Best of Ereignisse“ einzustufen. 😉

Mehr oder weniger weise Worte zum Schluss!

So wurden all unsere Sorgen und Gedanken zu beginn egalisiert. Laichen, nicht laichen, bereits fertig?! Wir hatten alles dabei und kamen genau zum beginn erwähnten Schluss.  KEINE Gedanken bei einer fix gebuchten Session verschwenden wie es kommen kann.

So wie es kommt, kommt es.

Bis bald und ein erfolgreiches Jahr 2016. Euer Mandi.